## 07 — Der kanadische Spiegel\n\n*Ein G7-Staat, in dem Deputy Ministers bis zu 408.400 Dollar verdienen und der Senat durch eine unabhängige Kommission ernannt wird. Was Kanada der Schweizer Erzählung hinzufügt.*\n\nWer die Schweiz für einen niederländischen Vergleich als zu exotisch empfindet, kann Kanada heranziehen. Ein großes, parlamentarisches, föderales Land mit starken Regionen und einer administrativen Tradition, die auf dem britischen Modell fußt. Kanadische Deputy Ministers – das Äquivalent zu den niederländischen Generalsekretären – verdienen zwischen 196.000 und 408.400 kanadischen Dollar pro Jahr. Dies entspricht umgerechnet bis zu 280.000 Euro, weit über der Balkenende-Norm und ohne das politische Fieber, das dies in den Niederlanden auslösen würde.\n\nWas Kanada der Schweizer Erzählung hinzufügt\n\nFöderal, groß, parlamentarisch — näher an den Niederlanden\n\nDie Schweiz ist klein und kollegial. Kanada ist groß und parlamentarisch. Der kanadische Vergleich ist für die Niederlande in mancherlei Hinsicht relevanter als der Schweizer: Kanada verfügt über ein Äquivalent zur Tweede Kamer mit Fraktionen, die Koalitionen bilden, und einen Senat, der nicht gewählt wird. Letzteres ist genau der Punkt, an dem Kanada eine institutionelle Lektion für Nova Democratia bereithält.\n\nErnannter Senat mit unabhängiger Kommission\n\nSeit 2016 werden kanadische Senatoren durch das Independent Advisory Board for Senate Appointments ernannt. Nicht durch die Parteien, nicht durch den Premierminister allein, sondern durch eine unabhängige Kommission, die Kandidaten nach Qualität und regionaler Ausgewogenheit bewertet. Es handelt sich um ein hybrides Modell: nicht demokratisch gewählt, nicht parteipolitisch ernannt, aber ebenso wenig ausgelost.\n\nFür Nova Democratia ist dies ein wertvoller Vergleich. Bürgerräte durch Losverfahren – der Nova-Vorschlag – stehen institutionell der kanadischen unabhängigen Ernennung näher als der Schweizer Volksabstimmung. Beide vermeiden den Zugriff der Parteien. Das Losverfahren fügt dem hinzu, was eine Ernennung nicht leisten kann: volksnahe Repräsentativität als statistisches Prinzip anstelle des Urteils einer Kommission. Nova Democratia nutzt die kanadische Praxis, um Bürgerräte glaubwürdig zu machen, und verbessert sie durch die Hinzufügung des Losverfahrens.\n\nHohe Gehälter, niedrige politische Temperatur\n\nKanadische Deputy Ministers verdienen mehr als das Doppelte der Balkenende-Norm, ohne dass dies ein nationaler Streitpunkt wäre. Der Grund: Kanada hat das Verhältnis zwischen Entlohnung und Qualität vor langer Zeit akzeptiert. Was in den Niederlanden noch immer als „Graaicultuur“ (Bereicherungskultur) bezeichnet wird, ist in Kanada schlicht die Arbeitsmarktrealität für Spitzenpositionen im öffentlichen Dienst. Der Beweis dafür, dass eine hohe Gehaltsobergrenze nicht automatisch zu öffentlicher Wut führt: Es hängt vom Framing ab.\n\n> Was in den Niederlanden „Graaicultuur“ heißt, nennt man in Kanada Arbeitsmarkt. Der Unterschied liegt nicht in den Gehältern, sondern im Framing.\n\nWo Kanada selbst kämpft\n\nKanada ist kein vollkommenes Vorbild. Drei Schwachstellen, aus denen Nova Democratia gelernt hat.\n\nProvinzielle Ungleichheit in der Bildung. Kanada hat kein föderales Bildungsministerium; jede Provinz regelt ihr eigenes Bildungswesen. Die Folge: enorme Unterschiede in Qualität und Finanzierung zwischen Ontario, Quebec und den Prärieprovinzen. Nova Democratia zentralisiert den Prüfungsrahmen bewusst, um genau dies zu verhindern. Dezentralisierung hat Grenzen, und Kanada zeigt auf, wo diese liegen.\n\nDie Ernennung des Senats bleibt politisch umstritten. Obwohl das Independent Advisory Board funktioniert, behaupten Kritiker weiterhin, dass ein nicht gewähltes Haus prinzipiell undemokratisch sei. Das Losverfahren über Bürgerräte vermeidet diesen Vorwurf: Bürger wählen Bürger aus, nicht Politiker wählen „unmittelbar Abhängige“.\n\nKein Sunset für Gesetze, keine Ordnungsklassifizierung. Kanada verfügt, genau wie die Niederlande, über einen wachsenden und komplexen Gesetzesbestand. Die Sunset-Bestimmungen und die Klassifizierung von Nova Democratia sind in diesem Punkt Verbesserungen gegenüber Kanada, keine Kopien.\n\nHet Open Vizier · novademocratia.com · Werkmaterial · Jacobus van Merksteijn · Juni 2026