Denk doch an die Natur, mit der Natur als Basis
Ein integrierter Klima-, Industrie- und Handelsvorschlag für die niederländische Regierung
Von Jacobus van Merksteijn — Het Open Vizier, August 2026
Die Niederlande verfügen über das Wissen, die Industrie, die Häfen und die Handelsposition, um innerhalb von zwanzig Jahren die erste klimanegative moderne Volkswirtschaft Europas zu werden. Was fehlt, sind nicht Technologie, Geld oder Fläche — sondern eine kohärente politische Vision, die vier bewährte Ansätze verbindet: tropischen Mischanbau in Partnerländern für Kraftstoff und Futtermittel, langlebigen biobasierten Kunststoff zur Kohlenstoffspeicherung, Ersatz für Zement und Holz sowie überlegene Dämmung aus Polymeren. Dieser Rat stellt diese vier Ansätze auf eine Linie und macht deutlich, wo die Politik eingreifen muss.
1. Wo stehen wir
Die Niederlande stoßen circa 145 Megatonnen CO2 pro Jahr aus. Das Klimaabkommen fordert bis 2030 eine Reduktion um 55 Prozent gegenüber 1990 und Klimaneutralität im Jahr 2050. Mit Wind, Sonne, Wärmepumpen und Dämmung allein erreichen wir diese Ziele nicht — das ist inzwischen in der Branche weithin anerkannt. Es braucht einen ergänzenden Ansatz, der in großem Maßstab CO2 aus der Atmosphäre entzieht und langfristig speichert.
Der offizielle EU-Kurs ist CCS: CO2 an industriellen Quellen abfangen und in leere Gasfelder unter der Nordsee injizieren. Kosten: 60 bis 120 Euro pro Tonne, mit permanenter Überwachung, Leckagerisiko und öffentlichem Widerstand. Die Niederlande investieren Milliarden in diesen Weg — und es gibt daneben einen günstigeren, sichereren, robusteren Weg.
2. Der Vorschlag auf einen Blick
Vier Ansätze, die sich gegenseitig verstärken und zusammen einen geschlossenen Kohlenstoffkreislauf bilden:
| Ansatz | Was | Wirkung |
|---|---|---|
| 1. Tropischer Mischanbau | Juncao-Gras und Moringa-Baum in Uganda/Mauretanië | Kraftstoff + Futtermittel + CO2-Aufnahme aus der Luft |
| 2. Biobased plastic | Aus Ethanol aus demselben Mischanbau | Ersetzt fossilen Kunststoff und speichert Kohlenstoff tausend Jahre |
| 3. Ersatz für Zement und Holz | Fliesen, Rohre, Paneele, Möbel aus diesem Kunststoff | Verringert den Zement- und Holzverbrauch |
| 4. Polymer-Aerogel-Dämmung | Superdämmung aus demselben Polymer | Zwei- bis dreimal besser als die heutige Dämmung |
Alle vier Ansätze teilen denselben Rohstoff: Kohlenstoff, der durch zwei tropische Pflanzen der Atmosphäre entzogen wird. Jede Tonne biobasiertes Polymer, die letztendlich in geologischer Speicherung landet (beispielsweise in den deutschen Braunkohlegruben), entfernt dauerhaft ungefähr drei Tonnen CO2 aus der Atmosphäre.
3. Ansatz 1: Tropischer Mischanbau
Auf äquatorialen Böden wachsen zwei Pflanzen zusammen. Giant Juncao ist ein Riesengras, das in zwei Monaten fünf Meter hoch wird und bis zu hundertvierzig Tonnen Biomasse pro Hektar und Jahr produziert — zehnmal mehr als ein niederländisches Getreidefeld. Moringa ist ein Baum mit proteinreichen Blättern, der zwischen dem Juncao steht und den Boden mit Stickstoff anreichert.
Aus diesem Mischanbau entstehen gleichzeitig vier Produkte pro Hektar und Jahr:
- Circa 30.000 Liter bio-ethanol als Kraftstoff für Pkw.
- Vier bis sechs Tonnen proteinreiches Viehfutter, das Sojamehl aus Brasilien überflüssig macht.
- Rohstoff für biobasierten Kunststoff (über Ethanol → Polymer).
- Sechzig bis einhundertzwanzig Tonnen CO2 dauerhaft unter der Erde gespeichert.
Um alle Benzinautos in den Niederlanden mit diesem bio-ethanol fahren zu lassen, werden 313.000 Hektar benötigt — zwei Drittel der Provinz Groningen, in Afrika. In Ländern, in denen landwirtschaftliche Flächen nur marginal genutzt werden und junge Menschen ohne Arbeit sind. Für Uganda oder Mauretanië bringt dies einhunderttausend bis einhundertsiebzigtausend Arbeitsplätze und Bodensanierung auf degradierten Flächen.
4. Ansatz 2: Kunststoff, der CO2 speichert
Dies ist der unbekannteste, aber wirkungsvollste Bestandteil des Vorschlags. Er widerspricht der Intuition und einem Großteil der gängigen Umweltpolitik, daher verdient er Erklärung.
Kunststoff besteht zu ungefähr 78 Prozent aus Kohlenstoff — er ist eines der kohlenstoffreichsten Materialien, die der Mensch herstellt. Wenn Kunststoff verbrannt wird, gelangt dieser Kohlenstoff unmittelbar als CO2 in die Luft. Wenn Kunststoff in einer abgeschlossenen, chemisch inerten Umgebung vergraben oder deponiert wird — beispielsweise zweihundert Meter tief in einer stillgelegten Braunkohlegrube — bleibt dieser Kohlenstoff tausende Jahre stabil. Polyethylenfolie aus den 1950er Jahren wird heute noch intakt in Böden gefunden.
Die Implikation ist groß: Wenn wir den Kunststoff aus Kohlenstoff herstellen, den wir der Atmosphäre entzogen haben (biobased), und ihn am Ende seiner Lebensdauer im Boden speichern, haben wir netto CO2 aus der Atmosphäre entfernt. Jede Tonne biobasiertes Polyethylen, die so behandelt wird, entzieht der Luft dauerhaft ungefähr 3,1 Tonnen CO2.
Das ist weder neu noch theoretisch. Die Niederlande haben 1994 einen vergleichbaren Politikwechsel vollzogen: Gemüse-, Obst- und Gartenabfälle durften nicht mehr verbrannt werden, sondern mussten zu Kompost und Biogas gehen. Dieser Beschluss änderte eine Regel im Abfallrecht und hat das niederländische Abfallsystem grundlegend nachhaltiger gemacht. Für Kunststoff ist genau dieselbe Regeländerung erforderlich: ihn von „kommunalem Restabfall“ zu „zertifizierter unterirdischer Speicherung unter CRCF“ verschieben.
Was wir nicht tun sollten: kompostierbarer Biokunststoff
Viel Umweltpolitik fördert kompostierbare Biokunststoffe (PLA, PHA). Für die Kohlenstoffspeicherung ist dies ein Fehler. Diese Kunststoffe sind dafür ausgelegt, innerhalb von Jahren oder Jahrzehnten abgebaut zu werden — dann geben sie ihren gespeicherten Kohlenstoff an die Atmosphäre zurück. Für den Einmalgebrauch wirkt das wie eine Lösung, aber es ist ein Kreislauf, der nichts löst: Kohlenstoff zirkuliert, entweicht nicht der Atmosphäre.
Für die CO2-Speicherung brauchen wir gerade das Gegenteil: langlebigen, nicht abbaubaren biobasierten Kunststoff. Bio-Polyethylen (Braskem produziert dies bereits kommerziell in Brasilien), Bio-Polypropylen, Bio-PET und Polyethylenfuranoat (PEF, in Entwicklung durch Avantium in Delfzijl). Chemisch identisch mit ihren fossilen Gegenstücken, aber mit Kohlenstoff aus der Luft.
Die fiskalische Seite
Die Niederlande zahlen seit 2021 an die EU eine Strafe von 0,80 Euro pro Kilogramm nicht recycelter Kunststoffabfälle — 2024 waren das 235 Millionen Euro. Zugleich zahlen wir für die CO2-Emissionen aus der Kunststoffverbrennung über ETS weitere 99 Millionen Euro. Insgesamt: 334 Millionen Euro pro Jahr an Strafabgaben auf etwas, wofür wir ein Kohlenstoffzertifikat von 99 Millionen erhalten sollten. Fiskalische Umkehr: circa 433 Millionen Euro pro Jahr.
5. Ansatz 3: Zement und Holz ersetzen
Zement ist für 7 bis 8 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Jede Tonne Zement stößt mehr als 900 Kilogramm CO2 aus. Ein großer Teil dessen, was wir aus Zement herstellen, kann durch Polymere aus der Juncao-Kette ersetzt werden: Fliesen, Rohre, Fensterrahmen, Paneele, Dachziegel, Straßenmobiliar. Tragende Konstruktionen (Fundamente, Säulen) bleiben Zementbeton, aber die nicht tragenden Zement-Elemente sind mit 50 bis 90 Prozent weniger CO2-Emissionen ersetzbar.
Auch Holz kann klüger ersetzt werden. Ein Gartenstuhl aus Holz stößt bei seiner Produktion 224 Kilogramm CO2 aus; ein gleichwertiger Stuhl aus recyceltem Polyethylen 18,6 Kilogramm — ein Unterschied um den Faktor 12. Außerdem hält der Kunststoffstuhl 25 bis 50 Jahre gegenüber 3 bis 8 Jahren bei Weichholz. Für den niederländischen Gartenmöbelmarkt bedeutet ein Umstieg eine Einsparung in der Größenordnung von 200 bis 300 Kilotonnen CO2 pro Jahr und circa eine Milliarde recycelte Plastikflaschen.
Für Holzeinwegbesteck in Flugzeugen — das seit der EU-Richtlinie gegen single-use plastics immer häufiger verwendet wird — besteht ein spezielles Problem: Catering-Abfall aus Flugzeugen muss gesetzlich zwingend verbrannt werden (ICW Kategorie 1). Sortierung zur Kompostierung ist nicht zulässig. Holzbesteck in Flugzeugen ist daher per Definition ein CO2-Emittent: Kohlenstoff aus gefällten Bäumen wird unmittelbar über die Verbrennungsanlage in die Atmosphäre geleitet. Biobased plastic-Besteck mit einer CRCF-Verbindung zur geologischen Speicherung würde hier eine Netto-CO2-Entfernung bewirken.
Papier ist eine dritte Kategorie, bei der die herrschende politische Logik umgekehrt steht. Bei vollständiger Berücksichtigung von Waldverlust, Produktion, Transport, Recycling-Verarbeitung und Verbrennung am Ende der Lebensdauer ist Papier oft 8 bis 20 Mal umweltschädlicher als recycelter Kunststoff. Zeitungen, die auf Kunststoffverpackung statt Papier umsteigen, verringern ihren CO2-Fußabdruck erheblich, trotz der öffentlichen Wahrnehmung, dass es umgekehrt sei.
6. Ansatz 4: Superdämmung aus Kunststoff
Aerogel ist das effizienteste Dämmmaterial, das wir kennen: Es besteht zu 90 bis 99 Prozent aus Luft in Nanoporen. Traditionell wird Aerogel aus Silica hergestellt, aber es gibt auch Polymer-Aerogele: aus Polyurethan, Polyimid, PVC. Bei gleichem Dämmwert ist die Schichtdicke 40 bis 60 Prozent geringer als bei Steinwolle oder Styropor.
Aus der Juncao-Kette kann biobasiertes Polymer-Aerogel produziert werden. Lebensdauer in einem Gebäude: 50 Jahre oder mehr. Danach geologische Speicherung unter CRCF. Jedes Gebäude wird so zu einem aktiven CO2-Speicher und zugleich zu einem superdämmenden Ganzen, mit dünneren Wänden und mehr nutzbarer Bodenfläche.
Für die Sanierung bestehender Wohnungen (wo dickere Dämmung oft nicht passt) ist dies entscheidend. Die Niederlande haben ungefähr 8,4 Millionen Wohnungen, von denen ein beträchtlicher Teil vor 1990 gebaut wurde. Eine Aerogel-Sanierung könnte den durchschnittlichen Gasverbrauch von 987 Kubikmetern pro Wohnung und Jahr erheblich senken.
7. Was die Regierung tun muss
Sechs konkrete Schritte. Sie können in der nächsten Regierungsperiode beginnen.
Schritt 1: Zertifizierungsrahmen festlegen
Auftrag an das RIVM oder ein unabhängiges Zertifizierungsinstitut, in Zusammenarbeit mit Puro.earth oder Verra: innerhalb von zwölf Monaten eine akkreditierte Methodik für Kohlenstoffspeicherung über biobasierten Kunststoff in geologischen Lagern entwickeln. Niederländische Universitäten sind keine Vertragspartei (siehe Schritt 6). Ohne Methodik keine Zertifikate, und ohne Zertifikate keine Finanzierung.
Schritt 2: Gesetzesänderung zu Kunststoffabfällen
Änderung des Besluit stortverbod afvalstoffen: Kunststoff, der nachweislich in zertifizierte geologische Speicherung gelangt, wird nicht länger als „Restabfall“ klassifiziert. Staffelung: 20 Prozent im Jahr 1 (2027), 40 Prozent im Jahr 2028, 100 Prozent im Jahr 2031. Analog zur Biomasse-Verlagerung von 1994.
Schritt 3: Pilotprojekt in Uganda oder Mauretanië
Finanzierung über das Klimaat- en Transitiefonds für ein Pilotprojekt von 2000 Hektar Juncao-Moringa-Mischanbau. Umsetzung: RVO, Ministerie van Buitenlandse Zaken und Ministerie van Landbouw des Partnerlandes, zusammen mit lokalen Genossenschaften und dem chinesischen Juncao-Institut (FAFU) als technischem Partner. Keine niederländische Universität als Vertragspartei.
Schritt 4: Verhandlungen in Brüssel
Die Niederlande müssen in der EU vier Änderungen befürworten:
- CRCF (Carbon Removals Certification Framework 2024) um Kunststoff in geologischer Speicherung als anerkannte Kohlenstoffentfernung erweitern. Derzeit werden biochar, DAC und Bio-CCS anerkannt; die Kunststoffspeicherung fehlt ohne physikalischen Grund.
- Differenzierung der Kunststoffabgabe 2021: verbrannter Kunststoff behält oder erhöht die Abgabe, geologisch gespeicherter Kunststoff erhält Befreiung und ein Kohlenstoffzertifikat.
- Ausnahme von der EU-Richtlinie zu single-use plastics (2019/904) für biobasierten langlebigen Kunststoff mit CRCF-Verbindung.
- Ausnahme von der Verordnung 1069/2009 (ICW Kategorie 1) für zertifiziertes biobasierten Kunststoff aus Flugzeugcatering zur direkten CRCF-Speicherung.
Schritt 5: Nationaler Fonds für biobasierte Polymere
Aus der fiskalischen Umkehr von 334 Millionen Euro pro Jahr (Kunststoffabgabe plus vermiedene ETS-Belastungen) einen Fonds für drei Ziele errichten: Preiskompensation für biobasierte langlebige Polymere in Produkten, R&D zur direkten katalytischen Umwandlung (Biomasse zu Monomer ohne Fermentation) und Aufbau zertifizierter geologischer Speicher-Fazilitäten. Die niederländische Industrie (Chemelot, Sittard-Geleen, Delfzijl) verfügt bereits über die Basisinfrastruktur.
Schritt 6: Warnung vor dem IP-Risiko niederländischer Universitäten
Vor allen anderen Schritten: keine niederländische Universität als Vertragspartei, IP-Inhaber oder Hauptauftragnehmer in diesem Programm. Das ist kein ideologischer Standpunkt, sondern folgt aus einem konkret dokumentierten Präzedenzfall.
Im August 2022 veröffentlichte Carbon-Alert (Hengelo, Unterzeichner) über PR Newswire, ANP und BNNVARA Vroege Vogels den Kern dieses Vorschlags: Giant Juncao als CO2-Speicherung mittels Tiefeninjektion und peatland-Analogie. In dieser Mitteilung wurde Albert van den Berg, Direktor von MESA+ der Universiteit Twente, als Konsortiumpartner zitiert. Am 24. Februar 2025 veröffentlichte das UT Climate Centre zwei Seiten auf utwente.nl mit genau diesen Kernbehauptungen als eigene Forschung — ohne Erwähnung von Carbon-Alert, des Unterzeichners, des chinesischen Entwicklers Lin Zhanxi (FAFU) oder von Lei Xuejun (Central South University), der die CO2-Aufnahmekapazität entdeckte.
Dies ist kein Einzelfall, sondern folgt aus den landesweiten IP-Regelungen von Universiteiten van Nederland. Externes Wissen, das mit einer NL-Universität geteilt wird, läuft strukturell Gefahr, unter einen universitären Eigentumsanspruch zu fallen. Für ein Programm, das hunderte Millionen Euro öffentlicher Mittel für dieses Wissen einsetzen wird, ist das ein unvertretbares Risiko. Zertifizierungsaufträge gehen an RIVM oder unabhängige Institute; die technische Partnerschaft erfolgt direkt mit FAFU (China) und KZN Department of Agriculture (Südafrika). Wenn eine NL-Universität dennoch für spezifische Analysen (beispielsweise LCA) einbezogen wird, dann ausschließlich im Rahmen von Auftragsforschung, in der das geistige Eigentum ausdrücklich bei Carbon-Alert / dem Programm bleibt.
8. Was es bringt
Bei vollständiger Umsetzung über 15 bis 20 Jahre:
| Wirkung | Wert | Erläuterung |
|---|---|---|
| Ethanol für den NL-Fahrzeugpark | 9,4 Milliarden Liter/Jahr | Vollständiger Ersatz fossilen Benzins |
| Vermiedener Ölimport | 6 Milliarden Euro/Jahr | Zum aktuellen Preisniveau |
| CO2-Aufnahme oberirdisch brutto (313.000 ha) | 47-64 Megatonnen/Jahr | 150-203 t/ha, Juncao+Moringa |
| CO2 dauerhaft im Boden über Wurzeln (313.000 ha) | 7-12 Megatonnen/Jahr | 23-39 t/ha |
| Fiskalische Umkehr der Kunststoffabgabe | 434 Millionen Euro/Jahr | Vom Zahlen an Brüssel zu Zertifikaten |
| Arbeitsplätze in Partnerländern | 100.000-170.000 | Uganda, Mauretanië und andere |
| Niederländisches industrielles Wachstum | Chemelot, Delfzijl, Häfen | Biobased Polymer-Produktion |
Dies ist kein Ersatz für die gesamte Klimapolitik. Es ist eine Ergänzung, die vier Probleme gleichzeitig löst: Klimaziele, Energiesicherheit, industrielle Zukunft und Handelsposition. Für die Niederlande mit ihren Häfen, ihrer chemischen Industrie und ihrer Handelsgeschichte passt dieses Paket besser als für jedes andere EU-Land.
9. Warum jetzt
Es gibt ein Zeitfenster von vielleicht fünf Jahren. China entwickelt die Juncao-Pflanze seit 1983 und verfügt inzwischen über 45 Varianten davon. Südafrika baut sie seit 15 Jahren in KwaZulu-Natal an. Das EU-CRCF wurde 2024 festgelegt und wird in den kommenden Jahren mit Umsetzungsdetails gefüllt — jetzt ist der Zeitpunkt, Kunststoffspeicherung daran anzufügen. Der Markt für Kohlenstoffzertifikate bewegt sich in Richtung 125-150 Euro pro Tonne, was den Anbau und die Speicherung nach den ersten 2000 Hektar des Pilotprojekts finanziell selbsttragend macht.
Wenn die Niederlande jetzt einsteigen, setzen wir die Standards. Wenn wir warten, bis Deutschland, Frankreich oder die USA die Initiative ergreifen, werden wir zum Importland für deren Technologie und zahlen deren Preise.
10. Schlusswort
Die Niederlande haben zwei Optionen. Die erste: auf dem derzeitigen Weg weitermachen. Milliarden für Wasserstoffinfrastruktur, CCS in Gasfeldern, Elektroautos mit Strom aus gemischten Quellen, und hoffen, dass wir 2050 etwas in der Nähe von Klimaneutralität erreichen.
Die zweite: anerkennen, dass die Natur seit 200 Millionen Jahren CO2 aus der Luft entzieht und unter der Erde speichert — dieser Prozess heißt Torfbildung — und dass wir ihn lediglich mit zwei tropischen Pflanzen und einer Regeländerung für Kunststoff beschleunigen müssen. Der Kohlenstoff aus der Luft wird zunächst Kraftstoff, dann Futtermittel, dann Verpackung, dann Bauelement, dann Dämmung und schließlich dauerhaft unter der Erde gespeichert. Ein geschlossener Kreislauf. Mit wirtschaftlichem Ertrag statt Kosten. Mit Beschäftigung in Entwicklungsländern statt Ölimporten aus unberechenbaren Regionen.
Die Rechnung ist fertig. Die Technologie ist bewiesen. Es fehlt nur noch der politische Wille.
Dieser Rat ist eine Zusammenfassung des internen Forschungsdokuments „Juncao-Moringa als integrierte Klima- und Wertschöpfungskette — Version 13“ (August 2026) sowie zweier früherer Het Open Vizier-Artikel über die Kunststoff-Doktrin: „Die Plastikstrafe, die ein Kohlenstoffzertifikat hätte sein müssen“ (Juli 2026) und „Am Ende haben wir nichts mehr“ (Juli 2026). Alle quantitativen Behauptungen in diesem Rat sind im Forschungsdokument anhand von Primärquellen belegt; wo Unsicherheiten bestehen, werden diese im Rat ausdrücklich benannt.
Het Open Vizier, August 2026. Autor: Jacobus van Merksteijn. Den vollständigen Bericht mit allen Begründungen und Quellenangaben finden Sie im zugrunde liegenden Arbeitsdokument.