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Die Große Plünderung · Teil IV · scharfe Fassung · 4. August 2026 · 14 Minuten Lesezeit

Plünderung IV: die gelenkte Rakete

Die Rakete hat Geschwindigkeit. Niemand kann sie noch stoppen. Innerhalb eines Jahres verließen netto 18.500 Millionäre Europa – mit rund 100 Milliarden Euro investierbarem Vermögen. Im nächsten Jahr werden es mehr sein. Die Geschichte kennt für dieses Muster nur einen Endpunkt.

Von Jacobus van Merksteijn · Malta · August 2026

Ein reales Geschoss im Flug. Antrieb: die Politik — Parlament und Parteifahnen im Heck. Rumpf: die Menschheit — Arbeiter und Familien. Kopf: Schulden und Einkommensverlust — Stapel von 100-Euro-Scheinen, Mahnungen und fallende Diagramme hinter einem Gefahrendreieck. Kurs: konstruiert, um zu explodieren, sobald es nicht mehr weitergeht. Das ist die demokratische Entscheidung im Jahr 2026 — keine Entscheidung mehr, eine gelenkte Rakete.

Was geschieht

Es ist keine Verschwörung. Es ist kein bösartiger Plan. Es ist das natürliche Ergebnis von vierzig Jahren demokratischer Entscheidungen, die für jede Generation und an jedem Ort ungefähr gleich ausfielen. Wer eine Fabrik besitzt, wird jährlich auf Vermögen besteuert, das noch gar nicht realisiert ist. Wer eine Fabrik betreibt, sieht, wie seine Nachbarn über Sozialleistungen, Subventionen und öffentliche Dienstleistungen die Früchte davon ernten. Wer in einer Fabrik arbeitet, stimmt für die Partei, die sagt, die Reichen müssten mehr zahlen. Jeder Schritt ist logisch, jede Entscheidung menschlich. Zusammen aber bilden sie ein Geschoss, das inzwischen zu schnell ist, um noch die Richtung zu ändern.

Die produktive Klasse — Unternehmer, Erfinder, Familienunternehmen, Patentinhaber — hat in Europa keine politische Vertretung mehr. Nicht, weil jemand sie zum Schweigen gebracht hätte. Sie macht weniger als fünf Prozent der Wählerschaft aus. In einer Demokratie, die per definitionem Mehrheiten bedient, ist das zu wenig, um ein Programm zu tragen. Die Linke hat sie zum Feind erklärt. Mitte-rechts kann sie nicht mehr verteidigen, ohne Stimmen zu verlieren. Die populistische Rechte richtet ihren Zorn lieber gegen Migranten und Brüssel — das ist rhetorisch wirkungsvoller. Brüssel produziert Dokumente, von denen fünfzehn Prozent umgesetzt werden. Das ist kein Unfall. Das ist bewusste Steuerung innerhalb eines Systems, in dem das Ziel weit genug entfernt liegt, damit man die Rechnung nicht selbst bezahlen muss.

Die Rakete hat Geschwindigkeit. Antrieb: die Politik. Rumpf: die Menschheit. Kopf: Schulden und Einkommensverlust. Ihre Piloten wissen, wo sie landet — und sie halten Kurs.

2025 verließen netto 18.500 Millionäre Europa. Sechzehneinhalbtausend aus dem Vereinigten Königreich, achthundert aus Frankreich, fünfhundert aus Spanien, vierhundert aus Deutschland, hundert aus Irland, fünfzig aus Schweden. Sie nahmen rund hundert Milliarden Euro an investierbarem Vermögen mit. Im nächsten Jahr werden es mehr sein. Das ist nicht die Krise, die kommt. Das ist die Krise, die bereits begonnen hat.

Wer diese Zahlen zum ersten Mal liest, denkt: Das kann doch nicht sein? Und doch stimmen sie. Die Quellen stehen am Ende dieses Artikels — Henley, Bundesbank, Sénat français, DNB, CBS. Peer-reviewte Zahlen aus offiziellen Registern. Was Sie hier lesen, ist nichts weiter als das Addieren dessen, was bereits veröffentlicht wurde.

Der Exodus — Zahlen für 2025 und die erste Hälfte von 2026

Wer behauptet, der Exodus sei halb so schlimm, sollte dieses Kapitel lesen. Die Zahlen stammen nicht aus Meinungsumfragen, sondern aus dem Henley Private Wealth Migration Report 2025 und 2026, der Bundesbank, dem französischen Sénat, der spanischen Objective, der niederländischen DNB und den Insolvenzstatistiken der französischen Industrie.

Netto-Millionärsmigration 2025 — Europa in einem Jahr

Verlust (rot) und Gewinn (grün) bei der Zahl der Millionäre, 2025 Vereinigtes Königreich −16.500 Frankreich −800 Spanien −500 Deutschland −400 Norwegen −150 Irland −100 Schweden −50 Italien +3.600 Portugal +1.400 Niederlande (Zuzug aus dem VK) +100 EU-Gesamtsaldo netto: −18.500 Millionäre · rund €100 Mrd. investierbares Vermögen

Quelle: Henley & Partners Private Wealth Migration Report 2025 und 2026 · New World Wealth · Bundesbank · Sénat français · DNB.

Vereinigtes Königreich — der größte je gemessene Exodus

🇬🇧 Vereinigtes Königreich

−16.500Millionäre (2025)
≈ $92 Mrd.mitgenommenes liquides Vermögen
+40%britische CEOs im Ausland

Der größte Exodus, den Henley & Partners je für ein einzelnes Land gemessen hat. Allein London verlor zwischen November 2024 und November 2025 netto 11.300 Millionäre. Britische Aktienfonds verzeichneten zwischen £11 und £60 Milliarden Abflüsse — das zehnte Jahr in Folge mit Kapitalabfluss. Wise verlegte seinen Sitz nach New York, Ferguson Enterprises strich seine Zweitnotierung in London, Flutter Entertainment zieht im August 2026 ab, AstraZeneca ging direkt an die US-Börse.

Auslöser: Abschaffung des 225 Jahre alten Non-Dom-Regimes am 6. April 2025. Ziele: Dubai (+9.800 allein 2025), die USA, Italien und — schmerzlich ironisch — Irland (26% der abwandernden Mittelständler nennen Irland als erste Präferenz).

Frankreich — erstmals im Minus

🇫🇷 Frankreich

−800Millionäre (2025)
≈ €4 Mrd.zogen mit
18 von 60größte Vermögen im Ausland
+310 vs +9.500Nettostellenschaffung 2025 vs. 2024

Zum ersten Mal negativ in der Erhebung. Frankreich sprang zwischen 2024 und 2026 von außerhalb der 40 wichtigsten Herkunftsländer auf einen Platz unter den Top 15. Der industrielle Niedergang: Legrand verlor netto 74 Stellen; Ineos legte sein Werk in Tavaux still, der Standort schrumpfte von 823 auf 750; Stellantis Poissy schrumpft von 1.925 auf rund 1.000 bis 2030 (925 Stellen fallen weg). Renault verlagert fünf EV-Modelle nach Palencia und Valladolid — Spanien erhält 6.000 „gesicherte“ Arbeitsplätze. Die französische Nettostellenschaffung sank laut Trendeo von +9.500 im Jahr 2024 auf +310 im Jahr 2025 — beinahe null.

Auslöser: Zucman-belasting (2 % oberhalb von €100 Mio.) im Sénat verworfen, ersetzt durch eine Abgabe von 20 % auf Luxusgüter und passive Familienholdings ab €5 Mio. Ziele: Schweiz, Italien, Portugal, Griechenland, VAE.

Deutschland — erstmals negativ

🇩🇪 Deutschland

−400Millionäre (2025)
€263 Mrd.Netto-Kapitalexport 2025
−341.500Industriearbeitsplätze seit 2019
−124.100Industriearbeitsplätze allein 2025

Deutschland sprang in der Henley-Rangliste von Platz 24 auf 13. Die Anträge stiegen zwischen Q4 2025 und Q1 2026 um 16 Prozent. Nettoemigration deutscher Staatsbürger 2025: minus 97.000. In der Autoindustrie verschwand binnen sechs Jahren jeder siebte Arbeitsplatz. Volkswagen: Dresden von 550 auf 248, konzernweit weitere 50.000 angekündigt (37.000 bereits umgesetzt), dazu bis zu 45.000 gefährdete Stellen bei Schließungen in Zwickau/Emden/Hannover/Neckarsulm zwischen 2031 und 2034. BASF strich weltweit 7.000 Stellen; Ludwigshafen fällt erstmals seit 1954 unter 30.000 Vollzeitstellen. Empfänger: Zhanjiang, China, mit mehr als 2.000 neuen Stellen zusätzlich zu 13.000 in Großchina. Bosch: 22.000 Stellen in der Mobilitätssparte fallen weg. MAN verlagert die Lkw-Produktion nach Kraków.

Auslöser: Verschärfung von §6 AStG Wegzugsteuer zum 1. Januar 2025, dazu Anhörungen im Bundestag über eine Vermögenssteuer von 1 % oberhalb von €1 Mio., ansteigend auf 2 % oberhalb von €50 Mio. Ziele: Schweiz (+3.000), VAE (+9.800), USA.

Niederlande — netto noch positiv, Industrie negativ

🇳🇱 Niederlande

+100Millionäre (2025, aus dem VK)
−22.700in den Niederlanden Geborene, Nettoemigration (CBS)
~20%Unternehmen erwägen eine Verlagerung

Die Niederlande schneiden mit 72,8 unter den großen EU-Volkswirtschaften im Henley-2026-Index am besten ab. Auf HNWI-Ebene profitieren die Niederlande vorübergehend — vom britischen Infarkt. Darunter: 48.029 in den Niederlanden geborene Menschen emigrierten 2025, gegenüber 25.290 Zuziehenden, die dort geboren wurden. Aegon verlagert seinen Hauptsitz nach New York (250 Arbeitsplätze in Schiphol). Boskalis verlegt seinen Hauptsitz nach Abu Dhabi. AkzoNobel schließt Wapenveld (143) und Machelen (133) — zusammen 276 Stellen — sowie weltweit 2.000 Büroarbeitsplätze; die Produktion geht nach Spanien, Polen und Estland. ASML warnte öffentlich vor einer teilweisen Verlagerung. Neue NFIA-Projekte 2025: 4.376 Stellen über drei Jahre; in der Region Amsterdam 39 Unternehmen mit 969 Stellen — gegenüber 140 Unternehmen und 2.953 Stellen im Jahr 2015. Die Kurve zeigt nach unten.

Auslöser: Wet werkelijk rendement ab 2028 — Besteuerung der tatsächlichen Rendite einschließlich nicht realisierter Gewinne mit 36 %. 2026 gilt ein Übergangsregime mit 7,78 % Pauschalbesteuerung oberhalb von €51.396. Die Besteuerung von Buchgewinnen wird von auf Auswanderung spezialisierten Experten ausdrücklich als Treiber genannt.

Italien — der große Gewinner

🇮🇹 Italien

+3.600Millionäre (2025)
115.000Millionäre in Mailand
17Milliardäre in Mailand

Der größte Nettozuzug Europas und der drittgrößte weltweit. Mailand ist inzwischen die elftreichste Stadt der Welt. Herkunftsländer: vor allem das Vereinigte Königreich sowie weitere westeuropäische Länder mit hoher Steuerlast. Mailand zählt inzwischen 244 Family Offices (Wachstum 10,4 %). Salesforce kündigte zusätzlich zu seinen bestehenden 600 italienischen Arbeitsplätzen eine KI-Investition von 1 Mrd. $ an.

Auslöser: Flat Tax für neu zugezogene Wohlhabende – im Haushalt 2026 von 200.000 € auf 300.000 € pro Jahr angehoben; bestehende Begünstigte bleiben verschont.

Spanien — 500 weg, die Industrie zieht ab

🇪🇸 Spanien

−500Millionäre (2025, erstes Verlustjahr)
≈ 2,7 Mrd. €flossen mit ab
−28 %ausländischer Zufluss privaten Kapitals (9 Mon. 2025)

Der neue ausländische Kapitalzufluss sank auf 18,9 Mrd. € – der schwächste Wert seit vier Jahren. Die Zahl der Unternehmensverlagerungen verdoppelte sich: Allein von Dezember 2025 bis Januar 2026 verlegten sieben Unternehmen ihren Sitz nach Portugal, Andorra, Italien, Panama und Delaware.

Auslöser: Die Impuesto Temporal de Solidaridad de las Grandes Fortunas (1,7–3,5 % oberhalb von 3 Mio. €) ist nun dauerhaft, hinzu kommen die Abschaffung des Golden Visa (3. April 2025) und eine strengere Kontrolle der Beckham-wet. Ferrovial verlegte seine Holding in die Niederlande.

Belgien — die Industrie schließt, die Kapitalertragsteuer beginnt

🇧🇪 Belgien

3.000+Arbeitsplätze weg (Audi Brussels)
10 %Kapitalertragsteuer ab 1.1.2026

Audi Brussels (Vorst) schloss am 28. Februar 2025 nach 75 Jahren – mehr als 3.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze gingen verloren. Profiteur: San José Chiapa in Puebla, Mexico, mit mehr als 500 neuen Arbeitsplätzen zusätzlich zu den bestehenden 5.351. Die Produktion des Q8 e-tron ging mit. Celanese schließt Lanaken (160 Arbeitsplätze). Dow schließt Tertre. Volvo Gent – das letzte belgische Automobilwerk mit gut 6.300 Beschäftigten – riskiert, zwei von drei EV-Modellen an Košice, Slowakei zu verlieren, wo das Werk auf rund 3.300 Arbeitsplätze ausgebaut wird.

Auslöser: neue Kapitalertragsteuer von 10 % auf Finanzvermögen ab 1. Januar 2026, einschließlich einer Wegzugsbesteuerung auf latente Kapitalgewinne bei Auswanderung. Ziel belgischer Vermögen: Dubai.

Schweden — die Industrie läuft leer

🇸🇪 Schweden

−50Millionäre (2025)
+203,3 Mrd. SEKausländisches Portfolio (Q3 2025)
−24 %ausländische Direktinvestitionen 2024

Ausländische Investoren steckten im Q3 2025 lediglich 60,6 Mrd. SEK in Schweden – schwedische Anleger erhöhten dagegen ihre ausländischen Portfolioinvestitionen um 203,3 Mrd. SEK. GKN Driveline verlegt Köping nach Bruneck, Italien (≈500 Arbeitsplätze weg). Husqvarna schließt Brastad bis H1 2027 (~104 Arbeitsplätze). HydraSpecma verlegte Tranemo nach Stargard, Polen. Abu Garcia schloss Svängsta nach 104 Jahren.

Auslöser: keine klassische exit tax, doch die Zehnjahresregel hält Kapitalgewinne aus schwedischen Aktien zehn Jahre lang steuerpflichtig.

Irland — weiterhin ein Magnet, doch die Pharmaindustrie pausiert

🇮🇪 Irland

−100Millionäre (2025, erstmals)
~90Pharmaunternehmen gefährdet
50.000irische Pharmaarbeitsplätze auf dem Spiel

Ein weiterer Magnet, doch Irland erscheint erstmals auf Henleys Abwanderungsliste. Das Risiko wurde verlagert, nicht verwirklicht: Dreißig Pharma-CEOs warnten die Europäische Kommission im April 2025, dass bis zu 100 Mrd. € an geplanten europäischen Investitionen in die USA verlagert werden könnten. Irlands Pharmasektor: rund 90 Unternehmen, 50.000 Arbeitsplätze – das gesamte Gefüge ist gefährdet. Im Vereinigten Königreich strich MSD auf einen Schlag 800 Arbeitsplätze in einem geplanten Londoner Zentrum sowie 125 Wissenschaftler an anderer Stelle – ein Vorgeschmack darauf, wie schnell es gehen kann. Bis Mai 2026 stellten MSD, Pfizer, Eli Lilly und Johnson & Johnson neue irische Investitionen zurück. Allergans Mutterkonzern verlegte seinen Sitz 2025 erneut in die USA.

Portugal — der andere Gewinner bei den Arbeitsplätzen

🇵🇹 Portugal

+1.400Millionäre (2025)
$8,1 Mrdmitgekommen
+2.336Arbeitsplätze allein Jan-2026

AICEP wickelte 2025 Investitionsverträge im Wert von 3,58 Mrd. € ab – gut für mehr als 6.600 Arbeitsplätze, davon 20 % hochqualifiziert. Im Januar 2026 unterzeichneten CALB, Everbio, Lift One, Savannah Lithium, Topsoe und United PetFood Verträge für 2.336 Arbeitsplätze. Aosheng Hi-Tech schuf in Valongo rund 200 Arbeitsplätze. Alstom Porto: 300 Arbeitsplätze. Stadler Digital Labs: von 100 auf 300.

Auslöser: das IFICI-Regime ("NHR 2.0") seit Dezember 2024, mit einem Pauschalsteuersatz von 20 % auf portugiesische Löhne und einer zehnjährigen Befreiung von den meisten ausländischen Einkünften.

Zusammengerechnet – Europa in einem Jahr

Addiert man die veröffentlichten europäischen Verluste 2025: Vereinigtes Königreich −16.500, Frankreich −800, Spanien −500, Deutschland −400, Norwegen −150, Irland −100, Schweden −50. Insgesamt: netto −18.500 Millionäre in einem Jahr. Weltweit zogen 2025 142.000 Millionäre um – ein Rekord. Für 2026 prognostiziert Henley weltweit 165.000. Für die europäischen Länder veröffentlicht Henley 2026 keine Zahlen mehr, sondern nur noch einen qualitativen Kompass. Die Richtung ist dieselbe. Die Zahlen sind schlicht zu peinlich geworden, um sie noch aufzuschreiben.

Und zu diesen 18.500 Millionären gehören Fabriken. Allein in Deutschland: 341.500 Industriearbeitsplätze weniger seit 2019, davon 124.100 im Jahr 2025. In Frankreich: von einem Nettozuwachs von 9.500 Arbeitsplätzen 2024 auf 310 im Jahr 2025 – fast null. Allein bei Volkswagen: 37.000 Arbeitsplätze weg, 50.000 angekündigt, 45.000 gefährdet. Bei BASF: 7.000 weltweit. Audi Brussels: 3.000. Volvo Gent: zwei Drittel bedroht, 3.300 neue Arbeitsplätze in Košice. Stellantis Poissy: 925. GKN Köping: 500. Aegon Schiphol: 250. Legrand: netto 74. Husqvarna Brastad: 104. HydraSpecma: 50. Abu Garcia: 48. Zählt man diese Namen ohne Namen zusammen, werden daraus Statistiken. Zählt man sie mit Namen und Gemeinde, wird daraus eine Abwanderung, die auf ein einziges A4-Blatt passt.

Die weltweiten Empfänger 2025

Nettozuzug von Millionären 2025 (mit ungefährer Geldsumme) – außerhalb Europas ziehen VAE und USA mit dem Geld davon Vereinigte Arabische Emirate +9.800 · ≈ $63 Mrd Vereinigte Staaten +7.500 Italien +3.600 Schweiz +3.000 Portugal +1.400 Griechenland +1.200

Quelle: Henley & Partners Private Wealth Migration Report 2025. Innerhalb Europas zirkuliert das Geld – aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien und Skandinavien nach Italien, in die Schweiz, nach Portugal und Griechenland. Außerhalb Europas ziehen VAE und USA damit davon.

Warum es so funktioniert

Drei Muster, überall dasselbe.

Die Linke erhebt den Anspruch moralischer Gewissheit. Eine kohärente Erzählung, eine verlässliche Anhängerschaft, kulturelle Hegemonie. Wer sich gegen „die Starken müssen mehr beitragen“ stellt, trägt die Beweislast.

Die politische Mitte rechts beugt sich. Sie kann nicht erklären, warum es etwas anderes sein soll, Vermögen zu besteuern als Einkommen. Der technische Unterschied – Gewinne besteuert man, wenn sie realisiert sind, nicht Vermögen, das noch gar nicht existiert – ist einem Elektorat, das in Soundbites denkt, unmöglich zu vermitteln. Also stimmen sie für das, was sie rhetorisch bekämpfen.

Die populistische Rechte zeigt mit dem Finger, baut aber nichts. Migration, Brüssel, „die Elite“ – niemals die Plünderung selbst. Selbst ein Durchbruch der Rechten würde die Plünderung nicht stoppen, sondern nur den Sündenbock austauschen.

Und Brüssel dreht weiter im Leerlauf. Von den 800 Mrd. €, die Draghi 2024 verordnete, sind in zwei Jahren 15 Prozent umgesetzt worden. Die European Banking Federation meldete am 10. Juni 2026, dass sich der „competitiveness bill“ inzwischen auf 1,4 Billionen € beläuft – fast verdoppelt, während die Sitzungen weitergehen.

Die Kommission kann nichts, weil sie nichts kann. Fünf strukturelle Gründe:

Am 3. Juni 2026 stellte die Kommission ihr European Semester Spring Package vor. Mînzatu und Dombrovskis sprachen von einer „wichtigen Verschiebung“. Die Empfehlungen sind so formuliert, dass ein Gewerkschaftsführer darin Solidarität und ein Unternehmer Deregulierung liest. Beide haben recht. Darin steht nichts.

Die Piloten des Projektils

Das sind keine Schuldigen. Das ist schlimmer. Das sind die Führer, die sehenden Auges auf den Abgrund zusteuern — nicht, weil sie den Abgrund wollen, sondern weil er sie nicht interessiert. Was sie interessiert, ist, Stimmen zu gewinnen und keine Stimmen zu verlieren. Der Rest ist nebenbei. Nebensache. Weit nach der eigenen Amtszeit. Etwas für einen Nachfolger.

Das ist der Kern. Ein Politiker, der ruft: "Die Reichen sollen ruhig zahlen", ist weniger gefährlich, wenn er es schlicht nicht versteht. Er ist gefährlicher, wenn er es versteht und es trotzdem tut, weil es Stimmen bringt und die Alternative Stimmen kostet. Er ist ein Pilot, der weiß, dass sein Kurs auf einen Berg zuführt, und an diesem Kurs festhält, weil seine Passagiere ihn dafür gewählt haben. Der Berg kommt später. Die nächste Wahl kommt früher.

Die folgenden Aussagen sind öffentlich, dokumentiert und datiert. Jede dieser Figuren steuert die Rakete mit sicherer Hand. Jede von ihnen kennt das Ziel. Für jede von ihnen ist das Ziel nebenbei — ein Problem für die kommenden Jahre, die kommenden Regierungen, die kommenden Generationen. Es sind die Mandate, mit denen die Wähler sie ins Cockpit geschickt haben.

Niederlande

GroenLinks–PvdA

Jesse Klaver, am 4. Juni 2026 im Parlament: „eine faire Steuer auf hohe Gewinne und große Vermögen“. Elektorat: Beamte, Lehrer, Beschäftigte im Gesundheitswesen – Menschen ohne Vermögen, die das Vermögen anderer besteuern wollen. Moralisch bequem, kostenlos umzusetzen.

FNV

Tuur Elzinga, Ultimatum an die Regierung, 4. Juni 2026: Leistungen auf dem bisherigen Niveau, bezahlt von „den Allerreichsten“. Diese Gewerkschaft ist keine Gewerkschaft der Beschäftigten mehr. Sie verteidigt den Sozialvertrag mit dem Geld anderer.

D66, VVD, CDA, NSC

Alle vier stimmten am 12. Februar 2026 für das neue box 3-wet. Die Liberalen besteuern künftig Vermögen, das noch nicht realisiert ist – eine steuerliche Premiere, die die VVD einst für undenkbar erklärte. Sie haben jahrzehntelang den Wohlfahrtsstaat unterstützt und verfügen nun über keine moralische Grundlage mehr, um sich gegen die Rechnung zu stellen.

PVV, BBB

Sie zeigen auf Migranten, Bauern, Brüssel. Sie bauen nichts. Sie fangen die Wut auf und richten sie auf den falschen Feind.

VNO-NCW

Kritisch gegenüber box 3-wet, plädiert für eine Vermögensgewinnsteuer statt einer Vermögenszuwachssteuer. Technisch richtig. Moralisch abwesend. Die Frage, ob der Staat Vermögen überhaupt jährlich besteuern darf, wagt man nicht zu stellen.

Deutschland

SPD

Spitzensteuersatz von 42 auf 49 Prozent. Vermögenssteuer ab 20 Mio. €. Fratzscher (DIW) veranschlagt Einnahmen von 42 Mrd. €, „mit denen die Arbeit entlastet werden kann“. Diese Kompensation verschwindet bei der Einführung stets im allgemeinen Haushalt. Das weiß jeder Steuerberater.

CDU/CSU

Offiziell dagegen. Ende Mai 2026 bereits „zu einem Kompromiss bereit“ – Reichensteuersatz von 45 auf 47,5 Prozent. So verdampfen Prinzipien in der Koalitionspolitik.

Bündnis 90/Die Grünen

Karl Haeusgen, ehemaliger VDMA-Präsident, plädiert aus dem grünen Unternehmernetzwerk heraus selbst für höhere Einkommen- und Erbschaftsteuern. Selbstzerstörung aus Schuldgefühl.

AfD

Fängt Wut auf, richtet sie auf Migration und Klima. Nicht auf die Plünderung.

DGB

Stefan Körzell, 3. Juni 2026: jedes Vermögen über €1 Mio. besteuern, plus 10% Vermögensabgabe über €10 Mio., verteilt über 20 Jahre. Ertrag: €350 Mrd. Das Wort, das er wählt: "Profiteure". So nennt die deutsche Gewerkschaft die Unternehmer, die die Fabriken betreiben, in denen ihre Mitglieder arbeiten, und die Beiträge zahlen, von denen ihre Mitglieder zu leben glauben.

Die Familienunternehmer

Warnen vor der substanzvernichtende Wirkung auf Betriebsvermögen. Technisch korrekt — eine Vermögensteuer auf nicht liquide Produktionsmittel zwingt zur Zersplitterung. Sie werden nicht gehört. In den deutschen Medien sind sie "die Reichen", ihre Beschäftigten Opfer eben dieser Unternehmer. Dasselbe Unternehmen, entlang zweier Achsen geteilt.

Frankreich

La France Insoumise

Mélenchon: ISF zurück, Supergewinnsteuer, Erbschaftsteuer massiv erhöhen, SMIC auf €1.700, Rente mit 60. Die reinste Plünderungsvariante Europas, als Gerechtigkeit verkauft.

Parti Socialiste

Zucman-Norm: 2% Vermögensteuer auf Vermögen über €100 Mio. Faure rahmt sie als "gesellschaftlich akzeptable Alternative" zu €44 Mrd. Einsparungen. Der dritte Weg — weniger versprechen — kommt nicht zur Sprache.

Rassemblement National

Marine Le Pen verteidigt das Ausbildungskonto des gewöhnlichen Franzosen. Den Angriff auf Holdings und Pacte Dutreil lässt sie billig unangetastet. Taktisch: Reiche zu verteidigen ist wahlpolitisch unverkäuflich.

Renaissance en Les Républicains

Sébastien Lecornu lässt Ende Mai 2026 drei steuerliche Maßnahmen präventiv vom Conseil constitutionnel prüfen. Nicht grundsätzlich dagegen. Besorgt um die rechtliche Haltbarkeit. Sich in zivilisierter Form beugen.

Medef

Spricht über "Investitionsklima" und "Wettbewerbsfähigkeit". Niemand hört zu. In der französischen Debatte steht der Unternehmer unter Verdacht.

Brüssel

Ursula von der Leyen, Roxana Mînzatu, Valdis Dombrovskis

Präsentieren am 3. Juni 2026 ein Paket, das von allen anders gelesen wird, weil nichts darin steht. Sie wissen, dass nichts darin steht. Sie führen Mandate aus, die von ihren Fraktionen erteilt wurden, weil ein echtes Paket wahlpolitisch nicht handhabbar wäre. Sie sind keine Plünderer. Sie sind die Kuratoren eines Systems, das Plünderung ermöglicht, und sie wissen, dass das Produktive innerhalb ihres Mandats nicht mehr geschützt werden kann. Sie entscheiden sich dafür, weiter zu tagen.

Der historische Endpunkt

Die Geschichte kennt ein einziges Muster, das diesem Exodus ähnelt: das Frankreich vor 1789. Auch dort zogen sich die Reichen zurück — einige buchstäblich aus Frankreich hinaus (ins niederländische, englische und deutsche Exil), andere hinter die Mauern ihrer Landgüter. Auch dort hielt die Besteuerung der besitzenden Klasse mit ihrem Rückzug Schritt. Auch dort blieben die Armen mit der Rechnung und ohne die Fabrik zurück, in der sie arbeiteten. Und als dieser Prozess weit genug fortgeschritten war, kam die Guillotine — nicht weil jemand sie hatte einsetzen wollen, sondern weil das Muster sein eigenes Ende hervorbringt. Wer sich während der Plünderung zurückzieht, wird nicht auf dem Schafott gefunden. Nur wer zu spät aufbricht.

1789 — das Muster, das sein eigenes Ende hervorbringt

Die Guillotine auf der Place de la Révolution. Die Reichen, die zu spät aufbrachen, kamen aufs Schafott; wer früher ging, konnte sein Vermögen retten. Um das Schafott versammelten sich die Armen — noch immer arm, noch immer hungrig, dezimiert durch die Plünderung, die sie selbst gefordert hatten. Das Muster von 2026 zeigt dieselben Schritte in derselben Reihenfolge — nur beschleunigt durch digitale Kapitalströme, die es 1789 noch nicht gab.

Der arbeitende Europäer sitzt auf einem Stuhl, den er selbst unter sich wegzieht — nicht aus Dummheit, sondern aus der Logik seines eigenen Interesses, wie seine Partei es definiert. Jede Stimme für "sollen die Reichen doch zahlen" ist eine Stimme, die die Fabrik, in der er arbeitet, näher an Košice, Bruneck, Delaware oder Dubai bringt. Jedes Mal, wenn eine Gewerkschaft einen Unternehmer einen Profiteur nennt, verschwindet ein Rentenbeitrag schneller, als die Gewerkschaft verhandeln kann. Die Gewerkschaft weiß das nicht. Sie tut ihre Arbeit.

Die Produktiven stehen auf der anderen Seite des Bahnsteigs. Die Koffer sind gepackt. Sie warten nicht auf den Zug, der in Brüssel nicht auf die Schienen kommt.

Sie warten auf den Zug nach Singapore, Dubai, Texas, Lugano, Tessin. Achtzehntausend von ihnen sind im vergangenen Jahr bereits gegangen. Im nächsten Jahr werden es mehr sein. 1789 dauerte dieselbe Bewegung drei Jahrzehnte. 2026 dauert sie drei Jahre, denn Kapital reist heute schneller als eine Kutsche auf der Straße nach Koblenz.

Schluss

In diesem Artikel gibt es keine Anklage. Es gibt eine Beobachtung. Die Piloten dieses Geschosses sind weder Verbrecher noch Dummköpfe. Sie sind intelligente, hochgebildete Menschen, die die Zahlen aus diesem Artikel kennen — viele von ihnen kennen sie besser als dessen Leser. Und sie halten Kurs.

Das ist nicht strafbar. Es ist nicht einmal unverständlich. Für einen Politiker gibt es nur eine Rationalität: Stimmen gewinnen und keine Stimmen verlieren. Alles andere — wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Fabriken, die abwandern, Kapitalströme, die ihre Richtung ändern, historische Parallelen, die sich abzeichnen — ist nebenbei. Nebensache. Außerhalb der Spalte „Wiederwahl“. In einer Demokratie, die Mehrheiten bedient und in der die produktive Klasse weniger als fünf Prozent ausmacht, ist diese Rationalität unvermeidlich. Das Problem ist nicht, dass die Piloten nicht wissen, was sie tun. Das Problem ist, dass das, was sie tun, genau das Rationale ist — für sie. Für die Rakete ist es fatal.

Wir haben das selbst gebaut. Wir stimmen ab. Wir unterstützen es. Wir schauen weg. Für die Produktiven liegt der Ausweg außerhalb Europas. Für uns, die wir dies selbst gewählt haben, gibt es keinen Ausweg mehr. Die Rakete fliegt weiter, und irgendwann landet sie. Wo und wann, das lehrt die Geschichte. Wie: Das liegt an uns — in den letzten Jahren, in denen es noch an uns liegt.

Quellen zur Kapitalflucht 2025–2026

Jacobus van Merksteijn

Jacobus van Merksteijn

Malta

Chefredakteur von Het Open Vizier. Unternehmer und Entwickler industrieller sowie Governance-Innovationen (Carbon-Alert Ltd, TerraClean Ltd, GuardSkin Ltd). Schreibt aus seiner Erfahrung mit der Brüsseler und Haager Entscheidungsmaschinerie über wirtschaftliche, ökologische und politische Systemfragen.

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