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Ausgabe 1 — Samstag, 23. Mai 2026

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Bildung

Von der Lernfabrik zur Lernwerkstatt

Eine Schule, die hundert Sechsen liefert, erhält heute mehr Geld als eine Schule, die fünfzig Achten liefert. Das ist das Problem.

Von Jacobus van Merksteijn · 9 Min. Lesezeit · 23. Mai 2026

Die Lernwerkstatt — wo Talent und Motivation zusammenkommen

Die Lernwerkstatt — wo Talent und Motivation zusammenkommen

Die Diagnose

Wir finanzieren die Anzahl, nicht die Qualität

Wir finanzieren Schulen nach der Anzahl der Abschlüsse, die sie liefern. Also liefern sie Abschlüsse — nicht notwendigerweise gebildete Menschen. Das ist keine Grausamkeit der Lehrer. Es ist ein eingebauter Anreiz, der sich von selbst in niedrigere Standards, einfachere Prüfungen und immer mehr „Lernpfade" für diejenigen übersetzt, die eigentlich nicht für das Niveau geeignet sind.

Das Problem in einem Satz

Wer Schulen an der Anzahl der Absolventen misst, bekommt Absolventen. Wer sie an gebildeten Menschen misst, bekommt gebildete Menschen.

Zwei Finanzierungsmodelle im Vergleich
Abbildung 1 Zwei Finanzierungsmodelle im Vergleich
Mein Vorschlag

Vier konkrete Reformen

01
Finanzierung nach Ergebnis, nicht nach Anzahl
Die durchschnittliche Abschlussnote wird maßgeblich, nicht die Bestehensquote. Eine Schule, die hundert Schüler mit einer 6 bestehen lässt, erhält weniger als eine Schule, die fünfzig Schüler mit einer 8 abliefert. Sofort verändert sich der Anreiz.
02
Strengere Zulassung
Schulen dürfen wieder wählen, wen sie aufnehmen — nicht um auszuschließen, sondern um Motivation und Talent zusammenzubringen. Ein ehrlicher Spiegel statt falscher Hoffnung, bis das Diplom unerreichbar wird.
03
Risiko zurück in die Kindheit
Keine staatlichen Gelder für Kinderbetreuung in den ersten sieben bis zehn Jahren. Dieses Budget verlagern auf häusliche Elternunterstützung: eine steuerfreie Zulage für den Elternteil, der sich für das Kind entscheidet, plus Erziehungscoaching.
04
Fachleute wieder in Ehren
Ein ausgezeichneter Klempner liefert mehr gesellschaftlichen Wert als ein mittelmäßiger Verwaltungswissenschaftler. Dennoch behandeln wir Erstgenannten als Sparposten. Das ist eine kulturelle Krankheit, die bei Eltern beginnt und in einem Land endet, das keine Fachleute mehr findet.
Zusammenhänge

Warum das mit dem 7D-Denken übereinstimmt

G

Maßstabsgesetz im Klassenzimmer

Bildung skaliert schlecht. Was in einer Klasse von fünfzehn funktioniert, scheitert in einer Klasse von dreißig. Das ist kein Verwaltungsproblem — das ist ein Naturgesetz. Ein Lehrer kann einer begrenzten Anzahl von Menschen gleichzeitig Aufmerksamkeit schenken.

W

Wert, der erst später sichtbar wird

Ein guter Lehrer verändert ein Leben, und diese Veränderung kommt erst Jahrzehnte später in Wohlstand oder Wohlbefinden zum Ausdruck. Politik, die nur auf kurzfristiges Geld setzt, sieht diesen W-Wert nicht.

N

Freiheit als Motor

Bildung braucht Vielfalt: verschiedene Schulen, verschiedene Methoden, keine Monokultur. Ein einheitlicher Lehrplan für 7.500 Grundschulen ist eine Nivellierungsmaschine.

Die Lernwerkstatt
Der Einwand

Ist das elitär?

Menschen werden sagen: Sie schließen Kinder aus. Meine Antwort ist, dass ein ehrlicher Spiegel das Gegenteil von Ausschluss ist.

Wer heute ein Diplom erwirbt, hinter dem wenig steckt, wird später trotzdem ausgeschlossen — auf dem Arbeitsmarkt, in einer Ausbildung, die er nicht bewältigt, in einem Leben, das nicht zu ihm passt. Das ist grausamer als rechtzeitig zu sagen: das ist nicht Ihr Weg, schauen Sie hier.

Bildung ist kein Sozialsystem. Sie ist ein Instrument, das Menschen zu sich selbst werden lässt. Das gelingt nur mit ehrlichen Maßstäben.

Kurzfassung · 2 Min.

Von der Lernfabrik zur Lernwerkstatt

Eine Schule, die hundert Sechsen produziert, erhält mehr Geld als eine Schule, die fünfzig Achten produziert. Das ist das Problem.

Wir finanzieren Schulen nach der Anzahl ausgestellter Abschlüsse. Also stellen sie Abschlüsse aus — nicht notwendigerweise gebildete Menschen. Das ist keine Grausamkeit der Lehrer. Es ist ein eingebauter Anreiz, der sich von selbst in niedrigere Standards und immer mehr „Lernwege" für jene übersetzt, die für das Niveau eigentlich nicht geeignet sind.

Vier konkrete Reformen: Finanzierung nach dem durchschnittlichen Abschlussniveau statt nach der Bestehensquote; strengere Zulassung, damit Motivation und Talent zusammenkommen; Abkehr von staatlich finanzierter Kinderbetreuung in den ersten sieben bis zehn Lebensjahren zugunsten häuslicher Elternunterstützung; und die Anerkennung, dass ein hervorragender Klempner mehr gesellschaftlichen Nutzen schafft als ein mittelmäßiger Verwaltungswissenschaftler.

Ist das elitär? Ein ehrlicher Spiegel ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Wer jetzt einen Abschluss erhält, hinter dem wenig steckt, wird später auf dem Arbeitsmarkt dennoch ausgeschlossen. Das ist grausamer als rechtzeitig zu sagen: Das ist nicht Ihr Weg — schauen Sie hier.

Das Maßstabsgesetz im Klassenzimmer

Bildung skaliert schlecht. Was in einer Klasse mit fünfzehn Schülern funktioniert, scheitert in einer mit dreißig — das ist kein Verwaltungsproblem, sondern ein Naturgesetz. Freiheit für Schulen, anders zu sein, ist keine Extravaganz, sondern die einzige Garantie, dass Neues entstehen kann. Ein einziger ministerieller Lehrplan für tausende Grundschulen ist eine Nivellierungsmaschine.

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Was hat Sie in Ihrer Ausbildung wirklich geprägt? Hatte der Staat damit zu tun — oder gerade nicht?